Homöopathie verstehen
Im Gespräch: Dr. Petra Weiermayer berichtet über Hintergründe & Ziele von „Homöopathie Verstehen“
28. März 2018

Im Gespräch: Dr. Med Erfried Pichler berichtet über Hintergründe & Ziele von “Homöopathie Verstehen”

©DeSt

Bereits seit 1993 ist Dr. Med. Erfried Pichler Teil des Teams der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin. Seit 2012 ist er sogar als Präsident der ÖGHM aktiv. Wie er zur Homöopathie gekommen ist, was ihn daran fasziniert und welche Zukunftsvisionen er für die Profession hat, erzählt er uns in einem ganz persönlichen Interview.

Wie haben Sie persönlich zur Homöopathie gefunden?

Vor 40 Jahren bin ich durch einen älteren Studienfreund darauf gestoßen. Meine Ausbildung habe ich dann bei Prof. Dr. Mathias Dorcsi in Baden begonnen. Von Beginn an war ich fasziniert durch die erfolgreiche Behandlung einer bereits jahrelang bestehenden Fußsohlenwarze bei einer Bekannten. Daraufhin folgte die Integrierung der homöopathischen Medizin in die damalige Kassenpraxis. 1993 wurde ich Mitglied des Lehrerteams der ÖGHM und 7 Jahre später in den Vorstand berufen. Seit 2012 bin ich nun Präsident der Gesellschaft.

Wer und was steht hinter der Informations-Kampagne „Homöopathie Verstehen“? Was sind Ihre Ziele, Visionen, Missionen?

Diese Kampagne wird von allen Gesellschaften in Österreich getragen, die Homöopathie als Inhalt ihrer Aufgaben haben. Das sind die ÖGHM, ÄKH, SIH, ÖGHV und der Patientenverein „Homöopathie hilft“. Zusätzlich sind alle Hersteller von homöopathischen Arzneien in Österreich eingebunden. Die Ziele dabei sind vor allem, in der Öffentlichkeit ein besseres Verständnis der Homöopathie an sich und in weiterer Folge eine Integrierung der homöopathischen Medizin in unser Gesundheitswesen – nach dem Vorbild der Schweiz – zu erwirken.

Was war Ihr emotionalstes Patientenerlebnis? Inwiefern hat Homöopathie bei diesem eine Rolle gespielt?

Vor knapp 20 Jahren war ein damals achtjähriger Junge aufgrund eines Augentumors in der Kinderonkologie in Klagenfurt sowie in Graz in Behandlung. Die schulmedizinische Behandlung wurde zwar erfolgreich abgeschlossen, der Junge wies danach allerdings eine hochgradige Sehschwäche auf. Nach wenigen Wochen in ausschließlich homöopathischer Therapie war es ihm möglich, bereits die Straßenschilder auf dem Weg ins Krankenhaus zu lesen. In weiterer Folge war er sogar wieder dazu fähig, Zeitungen zu lesen und am Unterricht in der Schule normal teilzunehmen.

Woran erkennt man Ihrer Erfahrung nach einen guten Homöopathen?

Nach dem Medizinstudium absolviert der/die homöopathische Arzt/Ärztin eine dreijährige Ausbildung, welche mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Danach erfolgt die Verleihung des Homöopathie-Diploms der Österreichischen Ärztekammer.

Wo kann man gut ausgebildete Homöopathen ausfindig machen?

Diese können auf der Website der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin gefunden werden. Auch durch die Arztsuch-Funktionen der Initiative „Homöopathie hilft“, der Österreichischen Ärztekammer und der ÄKH sowie der ÖGHV findet man ausgebildete Homöopathen.

Inwiefern hat sich die Homöopathie seit Samuel Hahnemann entwickelt und wie wird sie sich Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln?

Samuel Hahnemann hat am Ende seiner Schaffensperiode Patienten mit ca. 130 Arzneien behandelt. Heute kennen wir mehrere tausend Arzneien, wobei 700 bis 1.000 häufiger verwendet werden. Die breite und komplementäre Anwendung der homöopathischen Medizin wird auch hier in Österreich zur Integrierung ins Gesundheitssystem und damit zur gleichberechtigten Therapieform neben der Schulmedizin führen, wie es auch in der Schweiz bereits der Fall ist.

Warum werden die Ergebnisse der homöopathischen Grundlagenforschung in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen?

Der Großteil an hilfesuchenden, kranken Menschen interessiert sich kaum für die Theorie. Diese sind vorwiegend auf der Suche nach Linderung bzw. Heilung von ihren Krankheiten. Daher ist die Praxis weit mehr in den Vordergrund gerückt als die Forschung. Auch bei der konventionellen Medizin wird so vorgegangen.

Mein größtes Anliegen ist die offizielle Anerkennung der Homöopathie in Österreich.

Wo besteht bei der Homöopathie weiterer Forschungsbedarf und welche Projekte sind von Ihrer Seite für die Zukunft geplant?

Meiner Ansicht nach gibt es bereits genügend Forschungen, dank denen positive Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit von Homöopathie nachgewiesen werden konnten. Wichtig ist hier vor allem, diese der Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu verankern.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Profession Homöopathie?

Mein größtes Anliegen ist die offizielle Anerkennung der Homöopathie in Österreich. So, wie es sie bereits in der Schweiz, in Belgien, in Indien usw. gibt.

Welchen Rat würden Sie heute jemandem mit auf den Weg geben, der sich dazu entschließt, Homöopath zu werden?

Wichtig hierbei ist es vor allem, so früh wie möglich mit der Ausbildung zu beginnen und die Homöopathie von Beginn an in den Therapiealltag zu integrieren. Zudem können wir auch dankbar dafür sein, dass viele verblüffende Behandlungserfolge durch die homöopathische Medizin erzielt werden.

Wir bedanken uns für das Gespräch!

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