Erneuter Angriff auf Homöopathie: Wir klären über Unwahrheiten auf!

Im Gespräch: Dr. Thomas Peinbauer über ganzheitliche Methoden in der Komplementärmedizin
12. Juni 2019

Erneuter Angriff auf Homöopathie: Wir klären über Unwahrheiten auf!

Homöopathie Fakten und Fake

Anlässlich des Auftritts eines deutschen Satirikers wurden erneut Unwahrheiten über die Homöopathie verbreitet. Zu unserem Bedauern wurden ein weiteres Mal altbekannte Mythen über die komplementärmedizinische Heilmethode verbreitet. Wir haben uns die Aufnahmen angesehen und möchten folgende Falschaussagen richtigstellen:

Falsch: Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus

Aus der Placebo-Forschung ist bekannt, dass sich die Placebo-Wirkung rasch verliert. Homöopathie zeigt jedoch nachhaltigen Heilungserfolg bei chronischen Krankheiten. Placeboeffekte sind per Definition alle positiven psychischen und körperlichen Reaktionen, die nicht auf die spezifische Wirksamkeit einer Behandlung zurückzuführen sind, sondern auf den psychosozialen Kontext der Behandlung. Allerdings ist gerade bei Verabreichung der homöopathischen Arznei über das Trinkwasser – wie es in der Nutztierpraxis üblich ist – die Aussage, „die Wirkung der Homöopathie beruhe auf der Zuwendung zum Patienten“, definitiv nicht haltbar. In der Massentierhaltung und auch zum Beispiel bei Intensivpatienten kann der Placebo-Effekt und Placebo-by-Proxy somit ausgeschlossen werden, da keine Patienten-Arzt/Tierarzt Interaktion stattfindet.

 

Falsch: Es ist kein wissenschaftlicher Beweis zur Wirksamkeit der Homöopathie vorhanden

Es gibt zahlreiche Studien der Evidenzstufe 1a und 1b, die das Gegenteil beweisen:

  • In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie (CAMERLINK et al., 2010) zur homöopathischen Behandlung von durch das Bakterium Escherichia coli (E. coli) hervorgerufenem Durchfall bei Ferkeln konnte gezeigt werden, dass in der homöopathisch Gruppe signifikant weniger Ferkel an durch E. coli bedingtem  Durchfall erkrankten (p = 0,0024).
  • Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien bei Menschen mit Sepsis wurde zudem von FRASS et al (2005) untersucht. Siebzig Patienten mit schwerer Sepsis erhielten auf der Intensivstation im Rahmen einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie zusätzlich zur Standardtherapie eine homöopathische Arznei oder Placebo. Am Tag 180 war die Überlebensrate in der homöopathisch behandelten Gruppe statistisch signifikant höher als in der Placebogruppe (P = 0,043).
  • Individualisierte Homöopathie konnte auch in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie bei Schlafstörungen eine signifikante Wirksamkeit gegenüber Placebo zeigen (p < 0,01) (MICHAEL et al., 2019).
  • Die rezente Metaanalyse von MATHIE u. CLAUSEN (2015) zeigte ebenfalls eine Evidenz für die Wirksamkeit der veterinärmedizinischen Homöopathie gegenüber Placebo (p = 0,01 für n = 15, pooled OR 1,69 (95% CI, 1,12 – 2,56) ), p = 0,02 for n = 2, pooled OR = 2.62 (95% CI, 1.13 to 6.05)).
  • Der rezente 2014 durchgeführte Review von MATHIE et al. inklusive Metaanalyse hat eine signifikante Wirksamkeit für individualisierte Homöopathie im Vergleich zu Placebo ergeben (OR = 1.53 for n = 22, (95% confidence interval (CI) 1.22 to 1.91), OR = 1.98 for n = 3 (95% CI 1.16 to 3.38).

Die therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie in Abrede zu stellen und wissenschaftliche Fehlinformationen zu lancieren, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht, kann als Ausdruck einer Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie angesehen werden (MATTHIESSEN et al, 2018).

 

Falsch: Kein labortechnisches Verfahren kann Wirkstoffe nachweisen

Auch diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Die Wirkstoffe sind zwar in abgeschwächter Form vorhanden, es ist jedoch nicht richtig, zu behaupten, es wären gar keine nachweisbar. Chrikamane et. al (2012) bewiesen dies mit speziellen Untersuchungsmethoden, wie z.B mit dem Transmissionenelektronenmikroskop die Existenz von identifizierbaren Nanostrukturen. Dabei untersuchte er die Präsenz metallischer Wirkstoffe in Hochpotenzen (C30 und C200), wie sie für gewöhnlich in homöopathischen Arzneien vorhanden sind.  Seitdem bestätigten auch zahlreiche weitere Studien diese Ergebnisse. Dabei wurden die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden  angewendet. Zu diesen zählen unter anderem TEM, Scanning EM, Nanoparticle Tracking, DLS, Zeta potential, Selected Area Electron Diffraction, Energy Dispersive X-ray Spectroscopy, Inductively Coupled Plasma Mass Spectroscopy.

Homöopathische Arzneimittel werden zudem aus homöopathischen Ursubstanzen durch spezielle homöopathische Zubereitungsverfahren hergestellt. Das heißt, eine spezielle Technologie wird angewendet, die für die Entstehung von Nanostrukturen verantwortlich ist. Diese konnten von diesem indischen Forschungsteam analysiert werden.

 

Falsch: Laut Gesetzgebung müssen homöopathische Arzneimittel keinen Wirkstoff enthalten, um als Arzneimittel zu gelten

Homöopathische Arzneimittel sind behördlich geprüfte, apothekenpflichtige Arzneimittel, welche die gesetzlichen Anforderungen an eine hohe pharmazeutische Qualität und Unbedenklichkeit und damit Sicherheit erfüllen. Sie stehen entweder als Einzelmittel oder als Komplexmittel  (Kombinationen verschiedenerer homöopathischer Zubereitungen) zur Verfügung. Homöopathische Einzelmittel und Komplexmittel können entweder zum Teil in der Selbstmedikation oder nach tier-/ärztlicher Verordnung angewendet werden.

Eine Vielfalt an gesetzlichen Vorgaben und Gremien auf nationaler österreichischer und europäischer Ebene sichert eine solide Grundlage der Herstellung, Abgabe und Anwendung von homöopathischen Arzneimitteln, welche eine wichtige Basis in den Therapieoptionen für Tier-/Ärzte und Patienten darstellen.

Homöopathische Arzneimittel sind nach § 1 Abs. 10 Arzneimittelgesetz alle Arzneimittel, die nach einem Europäischen Arzneibuch oder in Ermangelung dessen nach einem in den aktuellen offiziell gebräuchlichen Pharmakopöen der Vertragsparteien des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum beschriebenen homöopathischen Zubereitungsverfahren aus Substanzen hergestellt worden sind, die „homöopathische Ursubstanzen“ genannt werden.

In der europäischen Gesetzgebung werden homöopathische Arzneimittel im Rahmen der Direktive 2001/83/EC einheitlich reglementiert. Im österreichischen Recht wird dies im Arzneimittelgesetz entsprechend abgebildet. Demnach gibt es zugelassene homöopathische Arzneimittel nach §9b und registrierte homöopathische Arzneimittel nach §11.

International werden Richtlinien für homöopathische Arzneien von den  Heads of Medicines Agencies, einem Netzwerk von Leitern der „National Competent Authorities“ (NCA), deren Organisationen für die Regulierung von Human- und Tierarzneimitteln im Europäischen Wirtschaftsraum zuständig sind, überprüft.

Heads of Medicines Agencies (HMA) kooperiert mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und der Europäischen Kommission beim Betrieb des europäischen Arzneimittel-Regulierungsnetzwerks.

Homöopathische Arzneimittel sind Arzneimittel, die rechtlich gesichert und deshalb apothekenpflichtig sein müssen!

 

Falsch: Die Pharmaindustrie hat durch Homöopathie eine 30 bis 36%ige Gewinnmarge – normal sind 20%.

Medizinische Kosten für homöopathische Behandlungen sind niedriger als für herkömmliche Medikamente. Zudem sind sie schonender und nebenwirkungsärmer. Die größte Kostenstudie EPI3 (6.379 Patienten) in Frankreich 2014 ergab: Patientenbetreuung von homoöpathisch arbeitenden praktischen Ärzten erbrachte global gesehen (Konsultationskosten und

Verschreibungen) eine Ersparnis von 20% (GRIMALDI-BENSOUDA et al, 2014).

 

Falsch: Homöopathische Ärzte verdienen bis zu 160 € mehr pro Patient

Ärzte und Tierärzte mit Zusatzausbildung Homöopathie führen – neben der klinischen Untersuchung und etwaigen weiterführenden Untersuchungen – eine vollständige Anamnese durch, die bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen kann. Konventionelle Medizin und Homöopathie werden je nach Notwendigkeit zum Wohle des Patienten angewendet. Zudem entspricht der Stundensatz homöopathisch behandelnder Ärzte dem normalen durchschnittlichen Ordinationsaufwand.

Behauptungen wie diese sind es, die den Stellenwert der Homöopathie ständig in Frage stellen und dafür sorgen, dass sich Mythen und Unwahrheiten so hartnäckig halten. Deshalb haben wir es uns zur Mission gemacht, konsequent über die Homöopathie aufzuklären und Falschmeldungen richtig zu stellen. Wie man uns dabei unterstützen kann, erfahrt ihr auf unserer Website.

Mehr Wissenswertes und wertvolle aktuelle Informationen zum Thema Homöopathie, aktuellen Studien und ihren Anwendungsgebieten sind übrigens ebenfalls auf unserer Website und unserem Blog zu finden. Auf unserer Facebook Seite veröffentlichen wir zudem tagesaktuelle News und Informationen rund um das Thema Homöopathie!

 

Quellen:

  • CAMERLINK, I., ELLINGER, L., BAKKER, E.J., LANTINGA, E.A. (2010): Homeopathy as replacement to antibiotics in the case of Escherichia coli diarrhea in neonatal piglets. Homeopathy 99: 57-62.
  • MATHIE, R. T., CLAUSEN, J. (2015): Veterinary homeopathy: meta-analysis of randomised placebo-controlled trials. Homeopathy 104: 3-8.
  • FRASS, M., LINKESCH, M., BANYAI, S., RESCH, G., DIELACHER, C., LÖBL, T., ENDLER, C., HAIDVOGEL, M., MUCHITSCH, I., SCHUSTER, E. (2005): Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial in an intensive care unit. Homeopathy 94(2): 75-80.
  • MATHIE, R.T., LLOYD, S.M., LEGG, L.A., CLAUSEN, J., MOSS, S., DAVIDSON, J.R., FORD, I. (2014): Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev 3: 142.
  • MICHAEL, J., SINGH, S., SADHUKHAN, S., NATH, A., KUNDU, N., MAGOTRA, N. DUTTA, S., PAREWA, M., KOLEY, M., SAHA, S. (2019): Efficacy of individualized homeopathic treatment of insomnia: Double-blind, randomized, placebo-controlled clinical trial. Complement Ther Med 43: 53-59.
  • MATTHIESSEN, P. (2018): Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – Eine Stellungnahme. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 50: 172-177.
  • GRIMALDI-BENSOUDA L., BÉGAUD, B., ROSSIGNOL, M., AVOUAC, B., LERT, F., ROUILLON, F., BÉNICHOU, J., MASSOL, J., DURU, G., MAGNIER, A.-M., ABENHAIM, L., GUILLEMOT, D. (2014): Management of upper respiratory tract infections by different medical practices, including homeopathy, and consumption of antibiotics in primary care: the EPI3 cohort study in France 2007-2008. PLoS One 9(3): e89990.
  • Prashant S. Chikramane, Dhrubajyoti Kalita, Akkihebbal K. Suresh, Shantaram G. Kane, Jayesh R. Bellare, 2012 Department of Chemical Engineering and Department of Biosciences and Bioengineering, Indian Institute of Technology (IIT) Bombay, Adi Shankaracharya Marg, Powai, Mumbai −400076, Maharashtra, India

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