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Im Gespräch: Dr. Petra Weiermayer berichtet über Hintergründe & Ziele von „Homöopathie Verstehen“

Homöopathie verstehen

Dr. Petra Weiermayer engagiert sich seit 2009 für die Österreichische Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie und ist seit 2013 Mitglied im Vereinsvorstand. Schon während ihres Studiums an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien beschäftigte sich die topmotivierte und einfühlsame Veterinärmedizinerin intensiv mit der Veterinärhomöopathie und steht ihren tierischen Patienten auch heute noch 24/7 zur Seite.  In einem ganz persönlichen Interview verrät sie uns, welchen Stellenwert die Homöopathie in ihrem Berufsalltag eingenommen hat und inwiefern Pferde dazu beigetragen haben.

Wie sind Sie persönlich zur Homöopathie gekommen?

Mit 16 Jahren habe ich mein Pferd bekommen und wie sich bald herausstellte, war er ein sogenanntes „Tierarztpferd“ (Pferde, die im Laufe ihres Lebens unter zahlreichen unterschiedlichen Erkrankungen leiden). Er hatte in seinem Leben mehrere Koliken und auch Kolikoperationen, litt schon früh an Hufrollenentzündung sowie Arthrosen verschiedenster Gelenke u.v.m. Immer wieder hörte ich die behandelnden Tierärzte sagen: „Da kann man nichts mehr machen.“. Doch für ihn gab es einen Weg und der hieß schließlich Homöopathie. Mein Pferd war das lebende Beispiel, wie Schulmedizin und Homöopathie gemeinsam Unmögliches möglich machen können. Trotz zahlreicher Erkrankungen lebte er – bis zum letzten Tag in seinen 30 Lebensjahren – ein lebenswertes Pferdeleben.

Wer und was steht hinter der Informations-Kampagne „Homöopathie Verstehen“? Was sind ihre Ziele, Vision, Mission?

Hinter der Informations-Kampagne „Homöopathie Verstehen“ stehen die Gesellschaften ÖGHM, die ÖGVH, ÄKH, SIH, der Patientenverein „Homöopathie hilft“ und Hersteller homöopathischer Arzneimittel. Wir haben u.a. das Ziel, die Belange der Homöopathie sowie der klassisch homöopathischen Therapie für Tiere als freie Therapieoption zu bewahren sowie den Missbrauch der Homöopathie zu verhindern. Auch die Errichtung und Erhaltung von Lehr- und Ausbildungsstätten, nach geltenden gesetzlichen Bestimmungen sowie die Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der veterinärmedizinischen Homöopathie zählen zu diesen Zielen.

Was war Ihr emotionalstes Tiererlebnis? Inwiefern hat Homöopathie bei diesem eine Rolle gespielt?

Die vielen, vielen Erlebnisse mit meinem Pferd, da er mich gelehrt hat, scharf zu beobachten, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und – sofern möglich – homöopathisch zu behandeln. Unvergesslich wird mir auch das Erlebnis mit einer 30-jährigen Stute in Erinnerung bleiben: Sie war bereits über mehrere Stunden von einer Kollegin schulmedizinisch wegen Kolik behandelt worden. Trotz Therapie verschlechterte sich der Allgemeinzustand des Pferdes zusehends: Frühmorgens hatte das Pferd zu koliken begonnen, im Laufe des Nachmittags wurde ich hinzugezogen. Das Pferd lag ruhig in Seitenlage, es waren keine Darmgeräusche mehr zu hören, der Puls war schwach, Herz- und Atemfrequenz deutlich erhöht. Ich verabreichte dem Pferd Globuli einer homöopathischen Arznei und schon nach der dritten Verabreichung im Abstand von jeweils einigen Minuten stand das Pferd auf, begann zu fressen, seine Vitalparameter kamen zurück in die Norm. Die Stute lebte noch ca. 1,5 Jahre kolikfrei. Wenn man solche „Zufälle“ – wie es jetzt Skeptiker bezeichnen würden – erlebt, werden einem die Augen geöffnet!

In welchen Bereichen können homöopathische Arzneimittel bei Tieren eingesetzt werden?

Eine homöopathische Behandlung ist überall dort möglich, wo eine Eigenregulation des Körpers noch möglich, d.h., wo die Lebenskraft des Patienten noch ausreichend ist. Schulmedizin und Homöopathie werden je nach Patienten und Notwendigkeit einzeln oder einander ergänzend angewendet. Hierzu zählen u.a. Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Haut-, Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Erkrankungen des Verdauungstrakts, der Sinnesorgane, des Fortpflanzungs- und Harntrakts, des Bewegungsapparats und noch einige weitere. Auch neurologische Erkrankungen und Verhaltensstörungen können mittels homöopathischer Arzneien behandelt werden.

Welche Unterschiede gibt es bei der Anwendung im Vergleich zum Menschen?

Bei der homöopathischen Behandlung von Tieren und Menschen gibt es nahezu nur Gemeinsamkeiten und demzufolge fast keine Unterschiede. Wir verwenden dieselben homöopathischen Einzelarzneien – also Arzneien derselben Qualität, derselben Herstellungsweise und wenden diese nach denselben Behandlungsprinzipien an, wie es in der klassischen Homöopathie der Fall ist. Ein Unterschied bei der homöopathischen Behandlung von Nutztieren ist die Verabreichung der homöopathischen Arznei über das Trinkwasser. Gerade bei dieser Art der Verabreichung sind Aussagen wie: „Die Wirkung der Homöopathie beruhe auf der Zuwendung zum Patienten“ sowie „Homöopathie habe lediglich Placebo-Wirkung“ nicht haltbar.

Wann stößt die Veterinärhomöopathie hier an ihre Grenzen bzw. in welchen Fällen raten Sie zu einer schulmedizinischen Behandlung?

Therapeutische Grenzen sind z.B. chirurgisch zu behandelnde Koliken, Knochenbrüche sowie Flüssigkeits- und Blutverluste. Homöopathie ist eine Regulationstherapie. Sie stößt demzufolge dort an ihre Grenzen, wo eine Eigenregulation nicht mehr möglich ist, d.h., wo die Lebenskraft des Patienten zu schwach ist. Auch grobe Fehler bei der Haltung und der Fütterung der Tiere stellen beispielsweise eine therapeutische Grenze der Homöopathie dar.

Was wäre ihr größter Wunsch für die Profession Homöopathie im Bereich der Veterinärmedizin?

Mein größter Wunsch ist, dass der gesamte Tierärztestand (unter Berücksichtigung aller schul- und komplementärmedizinischen Therapiemöglichkeiten, Homöopathie inklusive) konstruktiv zusammenarbeiten kann – zum Wohle unserer tierischen Patienten. Dies sollte auch durch die universitäre Ausbildung in veterinärmedizinischer Homöopathie gefördert werden und durch Beibehaltung der aktuellen gesetzlichen Grundlagen in Österreich gewährleistet bleiben.

Woran muss in Zukunft in der Veterinärmedizin noch verstärkt geforscht werden?

Hinsichtlich der Aktualität der Antibiotika-Resistenzproblematik (AMR) bei Mensch und Tier ist die Förderung hochqualitativer Studien in der veterinärmedizinischen Homöopathie absolut notwendig. Es bedarf entsprechend ausgebildeter und erfahrener homöopathischer Tierärzte für die Durchführung solcher Studien. Denn nur durch das Simile, also die individuell ausgewählte homöopathische Arznei, kann der Patient geheilt werden. Folglich kann auch nur bei Verabreichung des Similes an die Patienten der Studie die Homöopathie eine Wirksamkeit zeigen.

Welchen Rat würden Sie heute jemandem mit auf den Weg geben, der sich dazu entschließt, Veterinär-Homöopath werden zu wollen?

Teamarbeit ist – wie in fast allen Bereichen des Lebens – auch in der veterinärmedizinischen Homöopathie der Weg zum Ziel!

 

Wir bedanken uns für das Gespräch!

2 Kommentare

  1. Martin Huber sagt:

    Großartiger Beitrag! Hoffentlich kommen noch mehr in dieser Art!

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