Im Gespräch: Dipl-TA Michael Ridler berichtet über den Einsatz von Homöopathika in der Nutztierhaltung

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Im Gespräch: Dipl-TA Michael Ridler berichtet über den Einsatz von Homöopathika in der Nutztierhaltung

Interview über die Homöopathie in der Nutztierhaltung

Dipl-TA Michael Ridler ist seit 1999 Tierarzt in Höhnhart und seit 2015  Fachtierarzt für Homöopathie. In einem ganz persönlichen Interview erzählt der Veterinärmediziner, wie er zur Homöopathie gefunden hat und welche Vorteile diese für die Nutztierhaltung hat.

1) Wie haben Sie persönlich zur Homöopathie gefunden?

Durch Schlüsselerlebnisse: Als Beispiel möchte ich den Fall einer Kuh mit linksseitiger Labmagenverlagerung schildern. Der Labmagen ist der vierte Magen der Kuh und kann sich v.a. im Zeitraum rund um die Geburt verlagern. Das heißt, dass er normalerweise im Bauch der Kuh rechts unten ist – in diesem Fall war er aber links oben. Die Besitzerin erzählte, dass die Kuh gekalbt hat und jetzt schon drei Tage nicht mehr frisst. Nach einer genauen, klinischen Untersuchung war die Diagnose – linksseitige Labmagenverlagerung –  klar. Für gewöhnlich operieren wir solche Tiere. Dazu sind aber einige starke Hilfskräfte notwendig, um die Kuh niederzulegen und sie auf den Rücken zu drehen. Damals war außer der Bäuerin und den Kühen niemand am Hof. So verabreichte ich der Kuh ein homöopathisches Arzneimittel und vereinbarte mit der Bäuerin, sie solle mich, sobald am Abend wieder Mann und Söhne zu Hause sind, anrufen. Was sie dann auch wenige Stunden später tat. Sie meinte nur: „Meine Männer sind jetzt da, aber die Kuh frisst auch wieder.“ Das homöopathische Arzneimittel hatte gewirkt, der verlagerte Labmagen fand sich wieder an der richtigen Stelle, die Kuh war geheilt. Erlebnisse wie diese gaben mir den Anstoß, mich genauer mit Veterinärhomöopathie zu beschäftigen und eine fundierte Ausbildung zu absolvieren.

2) Welche Auswirkungen haben Antibiotika-Behandlungen auf Nutztiere und wie weit gehen diese?

Ich möchte eines klarstellen:  Antibiotika sind wichtige Arzneimittel und in der Human- und Veterinärmedizin oftmals unverzichtbar. Uns Tierärzten ist das Tierwohl oberstes Gebot. Und wenn ein Antibiotikum das Mittel der Wahl ist, um ein krankes Tier wieder gesund zu machen, ist es legitim und absolut notwendig, ein solch wirksames Arzneimittel entsprechend einzusetzen.

Problematisch kann die Situation aber dann werden, wenn Antibiotika unreflektiert, ohne Diagnosestellung durch einen Tierarzt, routinemäßig oder vorbeugend eingesetzt werden. Auch der Einsatz von Antibiotika, um gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgelöst durch schlechte Haltungsbedingungen (Platzmangel, Überbelegung, Stress etc.) zu minimieren, ist als äußerst kritisch zu sehen. Das Gleiche gilt für Unterdosierung wie z.B. eine zu kurze Behandlungsdauer bzw. der Einsatz ungeeigneter Wirkstoffe, was u.a. in Folge zu Resistenzproblemen führen kann.

Der Einsatz von Antibiotika hat bei Mensch wie auch Tier für den Patienten Nebenwirkungen, die der behandelnde Arzt/Tierarzt im Vorhinein wohlüberlegt abwägt. Der Landwirt hält Nutztiere, um Lebensmittel zu produzieren. Um Rückstände in diesen ausschließen zu können, müssen nach Verabreichung von Arzneimitteln am Nutztier sog. Wartezeiten eingehalten werden. Das heißt, die Lebensmittel dürfen für eine bestimmte Zeit – abhängig vom verwendeten Arzneimittel – nicht in die Lebensmittelkette gelangen.

3) Welche Vorteile bringen homöopathische Behandlungen bei der Nutztierhaltung mit sich?

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass homöopathische Arzneimittel keine Rückstände in Lebensmitteln verursachen und somit keine Wartezeiten einzuhalten sind. Ein weiterer, nicht unerheblicher Vorteil ist die relativ einfache und wenig invasive Verabreichung von homöopathischen Arzneimitteln an den einzelnen Tierpatienten bzw. an ganze Bestände. Auch kann man mit verhältnismäßig wenig Arzneimittelaufwand viele Patienten behandeln.

4) Gibt es bereits erste Erfolge bzw. beispielhafte Anwendungsfälle, die den Einsatz homöopathischer Arzneien in der Nutztierhaltung befürworten?

Tierärzte sind prinzipiell von ihrer Ausbildung her Schulmediziner. Meiner Ansicht nach ist das auch gut so. Als Tierarzt braucht man ein ordentliches schulmedizinisches Fundament, auf dem man aufbauen kann. In der Nutztierpraxis gibt es aber auch immer wieder, oder immer mehr Erkrankungen, die man mit schulmedizinischen Methoden schlecht oder schlichtweg gar nicht behandeln kann, während diese mit homöopathischem Ansatz relativ leicht und einfach bewältigbar sind. Z.B. Milchkühe, bei denen speziell nach der Geburt des Kalbes die Milch unabhängig vom Melkgeschehen ausläuft. Dies hat Milchverluste bzw. Hygieneprobleme im Stall zur Folge. Schulmedizinisch gibt es hierfür keine sinnvolle Therapiemöglichkeit. Homöopathisch kann man dieses Problem mit einigen Globuli relativ leicht lösen.

Die chronische Euterentzündung bei der Milchkuh ist in der Nutztierpraxis ein alltägliches Problem. Dieses ist schulmedizinisch nur schwer behandelbar und meist mit hohem Antibiotikaeinsatz verbunden. Die richtige, homöopathische Behandlung dieser Erkrankung zeigt oft bessere Ergebnisse bei vergleichbar geringem und unproblematischem Arzneimitteleinsatz.

5) Sind bei der homöopathischen Behandlung von Nutztieren in Österreich bestimmte Trends zu erkennen?

Nutztiere homöopathisch zu behandeln, liegt voll im Trend. In unserer Praxis wird das vom Kunden mehr und mehr verlangt bzw. auch gerne angenommen. Problematisch sehe ich die Tendenz, dass die Homöopathie immer mehr in Laienhand abgleitet: Vom Tierbesitzer wird z.B. versucht, in Wochenendkursen, Abendveranstaltungen etc. homöopathisches Wissen zu erlernen, um dann das eigene, erkrankte Tier behandeln zu können. Diese Entwicklung birgt meiner Meinung nach mehrere Gefahren: Dem Kursteilnehmer wird suggeriert, nach dem Besuch der Veranstaltung anhand von „Kochrezepten“ Tiere homöopathisch behandeln zu können. Das Wissen um die Homöopathie ist viel zu komplex, um in einem oder zwei „Schnellsiedekursen“ erlernt zu werden. Die Folge sind oft vom Laien mit Globuli unsachgemäß behandelte Tiere, deren Gesundheitszustand sich aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankungsdauer deutlich verschlechtert hat.

Eine weitere Folge dieser Entwicklung ist, dass viele Tierbesitzer durch die falsche Anwendung und damit ausbleibendem Erfolg von der Homöopathie enttäuscht sind und ihr den Rücken kehren. Das Problem dabei ist nicht die Homöopathie, sondern ihre unsachgemäße Anwendung. Laut Gesetzgeber darf der Laie dem Nutztier homöopathische Arzneimittel ausschließlich zur Gesunderhaltung verabreichen, nicht jedoch selbständig kranke Nutztiere behandeln.

In unserer Praxis werden Tierhalter in die Behandlung miteinbezogen. Der Tierarzt untersucht das Tier, stellt die Diagnose, verabreicht das homöopathische Arzneimittel bzw. gibt es unter genauer Anleitung an den Tierhalter für Folgebehandlungen ab. Bei Folgevisiten am Hof wird der Behandlungserfolg kontrolliert und wenn nötig die Behandlung umgestellt.

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