Im Gespräch: Dr. Petra Weiermayer & Dr. Bernhard Zauner zur Antibiotikaresistenz-Problematik

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Im Gespräch: Dr. Petra Weiermayer & Dr. Bernhard Zauner zur Antibiotikaresistenz-Problematik

© C. Aberman, R. Fischbacher

Antibiotika werden viel zu häufig verordnet, obwohl Patienten sie gar nicht brauchen. Antibiotikaresistenzen (= Antibiotika, die nicht mehr wirken) sind die Folge. Dr. Petra Weiermayer, Präsidentin der ÖGVH und Dr. Bernhard Zauner, Vorstandsmitglied der ÄKH, erzählen uns, welche lebensbedrohlichen Ausmaße diese Resistenzproblematik annehmen und wie Homöopathie dieser entgegenwirken kann.

In den letzten Jahren stieg die Zahl an Todesfällen aufgrund von Antibiotikaresistenzen massiv an. Was bedeutet diese gefährliche Entwicklung für Mensch und Tier?

Die Zahlen sind inzwischen besorgniserregend: Innerhalb der EU sind im Jahr 2015 33.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien verstorben. Das ergab eine aktuelle Studie aus Schweden. Die Zahl der Todesfälle ist in den letzten Jahren massiv gewachsen und wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch rascher und höher ansteigen. Das erhöht das Risiko des Einzelnen natürlich, mit solchen Erregern in Kontakt zu kommen, gegen die kein Antibiotikum mehr wirksam ist.

Auch für Tiere, die sich mit solchen multiresistenten Bakterien infizieren, gibt es dann oftmals kein wirksames Antibiotikum mehr. Hier möchte ich meinen Fallbericht von einem Pferd mit einer Wundheilungsstörung als Beispiel anführen. Diese war durch antibiotikaresistente Bakterien bedingt und konnte mit Hilfe einer homöopathischen Arznei schnell geheilt werden. Neben Fallberichten gibt es natürlich auch Studien höchster Evidenzklasse, die die Wirksamkeit der Homöopathie bei bakteriellen Infektionen zeigen.

In Österreich verfügen wir über eine hohe Trinkwasserqualität und Hygienebedingungen in Landwirtschaft und Industrie. Über welche Wege gelangen dann antibiotikaresistente Keime und Bakterien zu uns?

Die resistenten Bakterien können über praktisch alle Lebensmittel zu uns gelangen. Über Rückstände im Fleisch der zuvor mit Antibiotika behandelten Tiere, aber auch über Gemüse und Trinkwasser. Es konnte nachgewiesen werden, dass in Salatblättern oder Getreidekörnern Antibiotika oder deren Abbauprodukte zu finden sind. Diese werden durch die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen. Auch im Honig findet man zum Teil sogar mehr antibiotische Substanzen als im Fleisch, da diese nicht abgebaut werden können.

Über diese Wege gelangen die Bakterien nicht nur in den Menschen, sondern auch ins Tier. Die Antibiotikarückstandsproblematik ist ein weiteres Argument für die homöopathische Therapie von Tieren. Denn durch homöopathische Behandlungen kann die Anwendung von Antibiotika auf notwendige Indikationen reduziert werden. Etwaige Rückstände in tierischen Produkten, Pflanzen und im Trinkwasser werden demzufolge minimiert.

Die Europäische Kommission empfiehlt in ihrer EU-Bio-Verordnung explizit den Einsatz von homöopathischen Arzneien in der biologischen Landwirtschaft. Inwiefern kann Homöopathie helfen, der Antibiotikaresistenz entgegenzuwirken?

Im „European One Health Action Plan“ (https://ec.europa.eu/health/amr/sites/amr/files/amr_action_plan_2017_en.pdf) wird eine weitestgehende Minimierung des Einsatzes von Antibiotika gefordert. Denn ein nicht korrekter bzw. unbegründeter Einsatz fördert die Resistenzbildung maßgeblich. Genau hier kommen die Homöopathie und auch andere komplementärmedizinische Therapiemethoden wie die Phytotherapie ins Spiel. Denn durch derartige Behandlungen wird das Immunsystem gestärkt und die Selbstheilungskräfte angeregt, um mit den Viren und Bakterien selbst fertig zu werden bzw. gegen erneute Infektionen gewappnet zu sein. Auch führt die EU Kommission die Komplementärmedizin als einen potentiellen Ansatz zur Lösung der Antibiotikaresistenzproblematik an. Sie fordert die Forschung in diesem Bereich und sagt hierfür Forschungsgelder zu.

Gerade in Österreich erfährt die biologische Landwirtschaft einen absoluten Aufwärtstrend. Biobauern, die Nutztiere halten, sind per EU Bioverordnung jedoch dazu angewiesen, unter bestimmten Bedingungen, primär mit Homöopathie, Phytotherapie etc. therapieren zu lassen, bevor konventionelle Medikamente wie Antibiotika zur Anwendung kommen. Österreich braucht daher mehr Tierärzte, die in diesen integrativmedizinischen Fachrichtungen ausgebildet werden. Der Grundstein hierfür muss auf der Universität gelegt werden. So fordert es auch das kürzlich herausgegebene Positionspapier der Österreichischen Tierärztekammer.

Gibt es bereits Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen und demzufolge die komplementäre bzw. alternative Anwendung von homöopathischen Arzneien gegenüber Antibiotika untermauern?

Aus der Versorgungsforschung gibt es unter anderem eine interessante Untersuchung aus Großbritannien: Für das Jahr 2016 wurde die Anzahl der verschriebenen Antibiotika bei Allgemeinmedizinern mit und ohne komplementärmedizinischer Ausbildung verglichen. Es zeigte sich, dass die Ärzte mit Zusatzausbildung eine niedrigere Verschreibungsrate von Antibiotika haben.

In einer Studie zur homöopathischen Behandlung von akuten Infektionen des oberen Atmungstrakts konnten ebenfalls positive Ergebnisse für die Homöopathie gezeigt werden: Die Symptome verschwanden rascher, der Antibiotikaeinsatz war reduziert, es traten weniger Nebenwirkungen auf.

Es gibt zudem Studien, die zeigen, dass homöopathische Arzneien bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen wirksam sind – sowohl zusammen mit Antibiotika als auch als alleinige Therapie. In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie, erhielten siebzig Patienten mit schwerer Sepsis – zusätzlich zur Standardtherapie – eine homöopathische Arznei oder ein Placebo. 180 Tage nach Therapiebeginn war die Überlebensrate in der homöopathisch behandelten Gruppe statistisch signifikant höher als in der Placebo-Gruppe.

Auch aus dem Bereich der Veterinärmedizin liegen Daten vor: In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie zur homöopathischen Behandlung von durch Escherichia coli hervorgerufenem Durchfall bei Ferkeln. Hier konnte gezeigt werden, dass in der homöopathisch behandelten Gruppe signifikant weniger Ferkel an dem durch Bakterien bedingtem Durchfall erkrankten. Zudem war der Schweregrad der Erkrankung geringer und der Durchfall – sofern er auftrat – von kürzerer Dauer.

Die WHO hat auch 2019 wieder die World Antibiotic Awareness Week ausgerufen, um auf die steigende Resistenzproblematik aufmerksam zu machen. Doch was kann der Einzelne für sich und sein Umfeld tun, um einer Antibiotikaresistenz vorzubeugen?

Wichtig ist die Aufklärung der Patienten bzw. Patientenbesitzer. Viel zu oft wird ein Antibiotikum verlangt. Schuld sind da natürlich nicht die Patienten, sondern wir Ärzte und Tierärzte. 75 Prozent aller Antibiotika werden im nicht stationären Bereich verordnet. Oft, ohne dass eine bakterielle Infektion oder die Dringlichkeit einer Antibiotikagabe vorläge. In der Veterinärmedizin wird weltweit von 50 Prozent unbegründeter bzw. unsachgemäßer Antibiotika-Anwendung ausgegangen. Viele Erkältungskrankheiten werden von Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika unwirksam sind. Es liegt an uns Ärzten und Tierärzten, unsere Patienten und Patientenbesitzer über Anwendungsgebiete, Notwendigkeit und Anwendung von Antibiotika sowie komplementärmedizinische Therapiemöglichkeiten wie die Homöopathie aufzuklären. Über Präventivmaßnahmen wie Hygienemaßnahmen, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung etc. muss ebenfalls gesprochen werden. Ein wichtiger Punkt ist zudem die korrekte Dosierung und Einnahmedauer von Antibiotika. Auch die Auswahl des richtigen Wirkstoffes, der durch gezielte Laboruntersuchungen  (“Antibiogramme“) eruiert werden kann, ist von großer Bedeutung.

Abschließend bleibt zu erwähnen, was von Seiten der Ärzte und Tierärzte sowie Medizinischen und Veterinärmedizinischen Universitäten nötig ist, um die bestmögliche, integrativmedizinische Versorgung für alle Patienten zu ermöglichen und sogleich, der Antibiotikaresistenzproblematik bestmöglich entgegentreten zu können:

  1. Einsatz der integrativen Medizin / Veterinärmedizin als Ergänzung zur breiten Basis der Schulmedizin.
  2. Verankerung des Fachgebiets „Integrative Medizin bzw. Komplementärmedizin“ in der akademischen Ausbildung an den Medizinischen und Veterinärmedizinischen Universitäten.
  3. Postgraduale Fort- und Weiterbildungsoffensive – getragen durch etablierte Vereine, Organisationen und Universitäten.
  4. Unvoreingenommene, interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Ärzte- bzw. Tierärzteschaft.

1 Comment

  1. Antonia Wöhrer sagt:

    Ein sehr wertvoller, informativer Beitrag. Ich habe gerade auch in Österreich das Gefühl, dass es in den obersten Gremien Blockierer gibt die radikal sind und ihren Einfluss auf das ganze Gesundheitssystem ausüben. Noch, denn die Basis, die Menschen selbst sind viel zugänglicher zu ganzheitlicher Medizin. Natürlich auch bedingt durch persönliche Erfahrungen mit Homöopathie. Das gibt Hoffnung und die Schreier und Blockierer werden zwangsläufig, langsam aber sicher, einen Verlust ihrer Macht hinnehmen müssen.

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