Im Gespräch: Dr. Thomas Peinbauer über ganzheitliche Methoden in der Komplementärmedizin

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Im Gespräch: Dr. Thomas Peinbauer über ganzheitliche Methoden in der Komplementärmedizin

Dr. Thomas Peinbauer, praktischer und homöopathischer Arzt, ist Leiter des Wahlfachs Komplementärmedizin auf der Johannes Kepler Universität in Linz und Mitbegründer des Praxisnetz Homöopathie Linz. In einem Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit der Komplementärmedizin.

Welche Chancen hat die Integrative Medizin?

Die Chancen der Integrativen Medizin liegen darin, allen Aspekten der Evidenzbasierten Medizin gerecht zu werden. Man schaut sich ganzheitlich den Beratungsanlass, Werte, Wünsche und Erwartungen des Patienten an. Dazu ist es wichtig, dass der Patient über die existierende wissenschaftliche Evidenz informiert wird. Der Arzt muss selbst aber auch seine ganze klinische Kompetenz und Erfahrung einbringen, um dem Patienten sowenig invasiv wie möglich zu helfen.

Eine Erfahrungsmedizin also die auf Wissenschaft beruht?

Medizin ist keine reine Naturwissenschaft. Sie soll primär helfen, die Adaptionsfähigkeit des Menschen bzw. Tiers auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene zu stärken. So wird Gesundheit definiert. Die wissenschaftliche Medizin bedient sich naturwissenschaftlicher Fächer und basiert dabei auf der Erfahrungsmedizin. In den letzten Jahren hat es auch noch einen Paradigmenwechsel gegeben.

Den Paradigmenwechsel hat es schon gegeben?

Ja, die integrative Medizin basiert auf diesem Paradigmenwechsel. Nämlich, dass man die Medizin und die Gesundheitsversorgung aus dem Blickwinkel des Patienten betrachtet. Prävention, Diagnostik und Therapie wird basierend darauf entwickelt. Im Rahmen eines wertschätzenden Arzt-Patienten-Gesprächs wird das Vorgehen geplant. Diese partizipative Herangehensweise ist aus meiner Sicht der Kern dieses Paradigmenwechsels.

In der aktuellen Diskussion will man ja den Patienten vor der Homöopathie „schützen“…

Das finde ich lächerlich. Homöopathie unterliegt in Österreich dem Vorbehalt des Arztes. Sowohl im humanmedizinischen, als auch im veterinärmedizinischen Bereich. Zudem wird Homöopathie im Rahmen einer standardisierten Ausbildung des ÖÄK-Diploms unterrichtet. Das ist der beste Schutz für Patienten.

Welchen Umgang mit der Komplementärmedizin wünschen Sie sich für Österreich?

Ich befürworte das Modell in den USA. Hier wird auf integrative Medizin mit großer Neugierde und Offenheit zugegangen. An allen renommierten Universitäten wird Lehre, Praxis und Forschung gefördert. Zum Wohle des Patienten.

Human-Homöopathie vs. Veterinär-Homöopathie – Wo sind die Unterschiede?

Bei beidem geht es um lebendige Organismen, die reaktions- und adaptionsfähig sind. Insofern sehe ich keinen Unterschied. Wie schon beim „Tag der integrativen Methoden“ zu sehen war: Egal, ob Phytotherapie oder Homöopathie, die meisten Methoden werden beim Menschen, Tier und auch bei Pflanzen eingesetzt. Deswegen war diese Veranstaltung auch so positiv, da ein interdisziplinärer Austausch über die Fachgrenzen hinweg stattgefunden hat.

Wie sind sie zur Homöopathie gekommen?

Mein Weg fing als junger Student beim 2. Internationalen Kongress für Ganzheitsmedizin in Wien an. Schon damals sind verschiedene komplementärmedizinische Methoden präsentiert worden. Darunter auch drei Vorträge zum Thema Homöopathie. Dort wurde meine Neugierde geweckt. Bereits als junger Student habe ich viele Praktika bei homöopathischen Ärzten gemacht. Was mich hier immer fasziniert hat, ist die große Zufriedenheit von Patienten und Ärzten, wenn zusätzlich zur Schulmedizin Homöopathie angewendet wurde.

Aus der Tiermedizin kennen wir das Phänomen: Von der Schulmedizin „austherapierte“ Patienten suchen Methoden der Homöopathie. Trifft das auch auf den Humanbereich zu?

Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Seit Jänner 2018 leite ich gemeinsam mit zwei anderen Kollegen ein integratives Primärversorgungszentrum in Oberösterreich und wende dort Homöopathie hauptsächlich in der Akuttherapie an. Hierbei ist das eine gute Methode, da bei akuten Infekten, die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützt werden. In diesen Fällen muss ich immer seltener auf schulmedizinische Medikamente, wie Antibiotika oder NSAR, zurückgreifen. Dadurch sinkt das Nebenwirkungspotential. In die Privatarztpraxis kommen hauptsächlich Patienten mit chronischen Erkrankungen, bei denen viele schulmedizinische Methoden nicht greifen oder die einfach unzufrieden sind und in der Homöopathie Hilfe suchen.

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