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Der Tag der Integrativen Methoden 2019

Am 17. Mai 2019 fand erstmals der “Tag der Integrativen Methoden: Chiropraktik, Homöopathie, Phytotherapie, Akupunktur und Neuraltherapie” statt. Über 100 Zuhörer fanden den Weg in die Veterinärmedizinische Universität und hörten bis in die Abendstunden den spannenden Vorträgen der hochkarätigen Experten zu.

Nach langjähriger Tradition des “Tages der Homöopathie”, später “Tag der Homöopathie, Akupunktur & Co”, fand am 17. Mai nun erstmals der “Tag der Integrativen Methoden” im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum der Sektion Ganzheitsmedizin der Österreichischen Gesellschaft der Tierärztinnen und Tierärzte (ÖGT) statt. Mag. Kurt Frühwirth, Tierarzt und Präsident der Österreichischen Tierärztekammer (ÖTK) eröffnete diesen Nachmittag, der ganz im Zeichen der integrativmedizinischen Methoden stand.

Über 100 Interessierte lauschten den Vorträgen zahlreicher namhafter Referenten

Die Organisatoren der Tagung haben es geschafft, namhafte Experten aus verschiedenen Bereichen der Medizin auf das Podium zu holen. So konnten die rund 100 Interessierten unter anderem den Vorträgen von Dr. Thomas Peinbauer, Prof. Dr. Peter Panhofer, Dr. Nikolaus Bresgen, Prof. Mag. pharm. Dr. Karin Zitterl-Eglseer, Dr. Petra Weiermayer, Dr. Erich Scherr sowie vielen weiteren Referenten lauschen.

Organisiert wurde diese einzigartige Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der ÖGVH, von Dr. Harald Pothmann (ÖGT-Präsident), Dr. Detlef Bibl (ÖGT-Vizepräsident), Diplomtierärztin Christine Kranabetter (Vorsitzende der Sektion Ganzheitsmedizin der ÖGT) und Dr. Petra Weiermayer (Präsidentin der ÖGVH). “Medizin ist praxisorientierte Erfahrungswissenschaft und integriert wissenschaftliche komplementärmedizinische Methoden, um für den individuellen Patienten die bestmögliche Therapie bieten zu können” – sind sich die Organisatoren einig.

Das Ziel: Ein modernes Gesundheitswesen

Die Vortragenden der Tagung hatten vor allem ein Ziel vor Augen – ihren Patienten ein modernes Gesundheitswesen ermöglichen zu können. So unterstrich Mag. Kurt Frühwirth dies nochmals mit den Worten: „Es geht um die Zukunft unserer Patienten und die Vielfalt unserer therapeutischen Methoden. Im Gegensatz zur Humanmedizin, wo es eine Vielzahl an ausgebildeten und gesetzlich anerkannten Gesundheitsberufen gibt, so ist der einzige gesetzlich anerkannte Gesundheitsberuf im Veterinärwesen der des Tierarztes. Die tierärztliche Behandlungsvielfalt war immer schon sehr groß – man hat es aber nicht zu schätzen gelernt und es wurde oftmals belächelt, dass es neben der Schulmedizin auch andere anerkannte Methoden gibt, die uns für die Gesunderhaltung unserer Patienten zur Verfügung stehen.”

Daher plädierte Mag. Kurt Frühwirth eindringlich: „Es ist höchste Zeit, nicht einen berufsinternen Richtungsstreit zu führen, sondern gemeinsam mit Respekt und Wertschätzung die tierärztliche therapeutische Vielfalt anzuerkennen und zu fördern. Den Begriff Integration, das Zusammenleben und Miteinander kennen wir nicht nur aus der gesellschaftspolitischen Diskussion, sondern es sollte auch für unsere Berufsgruppe zum Ziel gemacht werden – um unseren Patienten das beste Therapieangebot aus Schulmedizin und Integrativmedizin zu ermöglichen.“

Das Beste aus zwei Welten

Die Tagung wurde in zwei Abschnitte geteilt: Im ersten Teil referierten drei Gastreferenten: Prof. Dr. Peter Panhofer, Professor für Komplementärmedizin an der Sigmund Freud Universität Wien, Vorstandsmitglied der ÖGA (Österreichische Gesellschaft für Akupunktur) & GAMED (Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin) und ärztlicher Leiter des MedOstWest Zentrums nahm die Zuhörer mit auf eine 30 minütige Reise durch die Traditionelle Chinesische Medizin. Er zeigte auf, dass „die Ursachen, Pathomechanismen und Therapieansätze der Traditionellen Asiatischen Medizin der westlichen Schulmedizin stark ähneln – die Sprache ist nur eine andere.” Sein Fazit ist, dass der Begriff „Integrative Medizin“ weiter als der Begriff Komplementärmedizin geht, weil er den Prozess der Integration komplementär- und schulmedizinischer Methoden in einem individuellen, für den Patienten optimalen Therapiekonzept beschreibt. Sozusagen das „Beste aus zwei Welten“ zur Gesundung und zum Wohle des Patienten.

Der nächste Vortrag wurde von Dr. Nikolaus Bresgen, Zellbiologe am Fachbereich Biowissenschaften, Arbeitsgruppe „Vergleichende Stressphysiologie“ an der Universität Salzburg gehalten, der sich selbst als streng empirischen Zugängen folgender Naturwissenschaftler vorstellte. Er brachte den Zuhörern sein Forschungsthema rund um die Zelle und deren Regulation und Dysregulation innerhalb des homöodynamischen Systems näher.

Homöopathische Hausarzt-Praxis halbiert die Kosten

Der letzte Gastreferent war Dr. Thomas Peinbauer, Leiter des Wahlfachs Komplementärmedizin der Johannes Kepler Universität in Linz. Er gab einen umfassenden Überblick über die aktuelle Studienlage integrativer Methoden. Dabei hob er in Europa vor allem die Schweiz hervor, „denn da ist die komplementäre Medizin bereits in die staatliche Gesundheitsversorgung dauerhaft integriert.” Denn in der Schweiz wurden bereits 2005 im Rahmen der PEK-Studie 562 medizinische Grundversorger evaluiert. „Dabei hat sich gezeigt, dass eine homöopathische Hausarzt-Praxis nur die Hälfte der Kosten einer konventionellen Grundversorgungspraxis verursachte, die Patienten seltener behandelt werden mussten, weniger teure Spezialbehandlungen in Anspruch nahmen und weniger an Nebenwirkungen von Arzneimitteln litten.“

Im zweiten Teil kamen die PraktikerInnen zu Wort, natürlich auch Professoren, die in diesem Bereich tätig sind. Den Beginn machte die Fachtierärztin für Chiropraktik Dr. Christina Strobl-Bubla, die in der täglichen Praxis bereits die integrative Medizin anwendet: „Wir arbeiten eng mit Orthopäden, Neurologen usw. zusammen und oftmals ist auch die Kombination mit Homöopathie, TCM & Co sehr sinnvoll!“

Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit der Homöopathie

Studien als Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie wurden von Dr. Petra Weiermayer angeführt. Diese erörterte, dass es weltweit rund 4.000 Studien zur Human- und Veterinärhomöopathie – darunter hochqualitative Studien der Evidenzklasse 1a und 1b, die dem sogenannten Goldstandard der evidenz-basierten Medizin entsprechen, gibt. Diese belegen die Wirksamkeit der Homöopathie sowohl beim Tier als auch beim Menschen. Homöopathie ist folglich evidenzbasiert. Man hob auch das Review von Hahn (2013) hervor: Dieser deckt auf, dass ca. 90 % aller Studien ausgeschlossen werden müssten, um die Homöopathie als unwirksam darstellen zu können. Dies ist u.a. beim Australischen NHMRC Report, auf dem u.a. das Statement des Advisory Councils der Europäischen Akademien der Wissenschaften beruht, passiert.

Dr. Erich Scherr wies nicht nur auf die EU-Bio-Verordnung hin, die besagt „…phytotherapeutische und homöopathische Präparate sind chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln, einschließlich Antibiotika, vorzuziehen…“, sondern auch auf die guten Fortbildungsmöglichkeiten wie die Europäische Akademie für Veterinärmedizinische Homöopathie (EAVH) und den Fachtierarzt für Homöopathie in Österreich. Abschließend wurden die Forderungen gestellt, die Homöopathie in die akademische Ausbildung aufzunehmen und nach Kooperation zwischen Kliniken und klassisch homöopathisch arbeitenden Tierärzten – denn es geht um ein Miteinander im Sinne des Patienten!“

Die Schweiz gilt als Vorbild für Österreich

Danach führten die Expertinnen für Veterinär-Phytotherapie Prof. Mag. pharm. Dr. Karin Zitterl-Eglseer und Dr. Isabella Hahn-Ramssl in den Bereich Phytotherapie ein. „Phytotherapie ist die evidenzbasierte Therapie und Prophylaxe mit Arzneimitteln pflanzlicher Herkunft und kein alternatives Therapieprinzip.“ Prof. Karin Zitterl-Eglseer wies zudem darauf hin, dass viele Phytopharmaka zwar eine große therapeutische Breite haben, zumeist weniger Nebenwirkungen als synthetisch hergestellte Arzneimittel verursachen, aber nicht nebenwirkungsfrei sind. Beide Expertinnen plädierten für eine Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Anwendung der Phytotherapie beim lebensmittelliefernden Tier und wünschen sich für Österreich – gleich den homöopathisch arbeitenden Ärzten und Tierärzten – eine Orientierung an den Regelungen der Schweiz.

Der letzte Vortrag wurde von Dr. Andreas Zohmann, tierärztlicher Leiter der „Vierbeiner Reha-Zentrum GmbH“ in Bad Wildungen und Dr. Markus Kasper, Fachtierarzt für Akupunktur und Neuraltherapie gehalten. „Es gibt keine Alternative zur Medizin – somit also keine Alternativmedizin”, war das Credo des Duos. „Medizin ist ganzheitlich und integriert sämtliche Methoden, die für diesen Einen – den individuellen Patienten – die Richtigen sind.“ In diesem Sinne erklärten sie sehr anschaulich ihre Fachgebiete und erläuterten, wie die einzelnen Segmente des Organismus’ nicht nur durch den Spinalnerv verbunden sind, sondern folglich auch der Bewegungsapparat der stärkste Schmerzgeber des ganzen Organismus ist. Daher ist eine ganzheitliche Diagnostik das Um und Auf für jeden Patienten – und schlossen damit den integrativen Kreis der Medizin.

Gemeinsam im Sinne des Patienten

Geteilt wurde bei dieser Tagung vor allem eines: Der Einsatz der integrativen Veterinärmedizin als Ergänzung zur breiten Basis der Schulmedizin.

Hier gibt es noch ein interessantes Interview mit Dr. Thomas Peinbauer, praktischer Arzt und Mitbegründer des integrativen Gesundheitszentrum Haslach „Hausarztmedizin Plus“ und Universitätslektor und Modulbeauftragter für Komplementärmedizin an der med. Fakultät der Johannes-Kepler-Universität Linz sowie einen ausführlicheren Pressetext und Bilder von der Veranstaltung und den Vortragenden.

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