Homöopathische Medizin in der Praxis

Homöopathie anwenden

Die homöopathische Medizin in der Praxis

Die homöopathische Medizin unterscheidet sich grundlegend von der konventionellen Medizin. Schon die Anamnese – das Erstgespräch – dauert bis zu zwei Stunden. Dabei werden nicht nur die körperlichen Symptome, sondern auch seelische Befindlichkeiten, Vorlieben, Abneigungen und vieles mehr erhoben. Die Summe dieser Anzeichen ergibt ein Krankheitsbild. Der Arzt sucht nun nach jenem Arzneimittel, dessen Arzneimittelbild dem Krankheitsbild am ähnlichsten ist. Je nach Erkrankung sowie Potenz des Arzneimittels ist dieses mehr oder weniger häufig einzunehmen. In Folgeordinationen wird festgestellt, inwiefern sich die Beschwerden verbessert haben. Bei akuten Erkrankungen ist – je nach Heftigkeit der Erkrankung - oft bereits nach wenigen Minuten, Stunden oder wenigen Tagen eine Heilung oder Besserung erfolgt. Bei chronischen Erkrankungen werden Veränderungen im Krankheitsverlauf ermittelt. Je nachdem werden Anpassungen bei Arzneimittel und/oder Einnahmehäufigkeit vorgenommen.

 

Beim Homöopathen:

Das Erstgespräch

Das Erstgespräch bei chronischen Erkrankungen dauert zwischen ein und zwei Stunden. Bei akuten Erkrankungen (z.B. einer Erkältung oder unkomplizierten Bauchbeschwerden) ist es kürzer, bei chronischen Beschwerden dauert es eben länger. Dabei wird immer auch nach dem Auslöser der Erkrankung gesucht, da diese wertvolle Hinweise auf die zu verordnende Arznei geben können.

 

Die Behandlung:

Akute Erkrankungen

In einer kurzen Anamnese werden Symptome und Befindlichkeiten erhoben, die in Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Danach sucht der Arzt das richtige Arzneimittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip aus. Die Wirkung setzt bei akuten Beschwerden sehr schnell ein.

 
 

Anwendung:

Komplexmittel selbst anwenden

Immer öfter werden kleinere Beschwerden - wie etwa ein Schnupfen - selbst behandelt. Dafür eignen sich homöopathische Komplexmittel gut. Sie werden nur nach körperlichen Symptomen oder nach schulmedizinischen Diagnosen ausgewählt, sodass deshalb nicht von einer klassischen, homöopathischen Behandlung gesprochen werden kann.

 

Die Behandlung:

Chronische Erkrankungen

Für die Behandlung chronischer Erkrankungen bedarf es einer Langzeittherapie. Je nachdem, wie sich die Krankheit entwickelt, kann hier ein Wechsel des Arzneimittels notwendig sein. Dies wird in Folgeordinationen festgestellt. Auch bei chronischen Beschwerden verzeichnet die Homöopathie große Erfolge.

 
 

„Die homöopathischen Dosen sind vielleicht die wirksamsten.“

Fjodor Dostojewski
 

Die Anamnese

 

Die Anamnesen bei chronischen Erkrankungen dauern beim homöopathischen Arzt - je nach Alter des Patienten und Schwere der Erkrankung - zwischen ein und zwei Stunden. Bei chronischen oder schweren Erkrankungen wird ein möglichst genaues Krankheitsbild erhoben. Der Homöopath fragt zunächst nach den körperlichen Beschwerden. Dabei ist wichtig, wo sie auftreten, wie sich der Schmerz anfühlt (klopfend, stechend, etc.), wann bzw. wie oft er im Tagesverlauf auftritt und vor allem, wodurch diese Beschwerden besser oder schlimmer werden. Die nächste Frage ist die nach den psychischen Befindlichkeiten: Leidet der Patient an Ängsten, hat er Sorgen oder ist er leicht reizbar? Weitere Informationen erhält der Arzt bei der Frage nach seinem sozialen Umfeld. Ist es stabil oder gibt es beispielsweise am Arbeitsplatz Menschen, die ihn ärgern? Die Biografie ist eine weitere wichtige Informationsquelle. Es kann sein, dass der Ursprung der gesundheitlichen Probleme bereits in der Kindheit zu finden ist. Schlussendlich bezieht der Arzt auch seine eigenen Beobachtungen in die Anamnese mit ein.

In der Veterinärmedizin verläuft die Anamnese ähnlich. Natürlich werden auch hier zunächst die körperlichen Symptome erhoben. Da Tiere jedoch eine andere Sprache sprechen, ist hier die Beobachtungsgabe der Tierbesitzer gefragt. Sie kennen die Verhaltensweisen ihres Tieres am besten und sind daher eine wichtige Informationsquelle für den Tierarzt.

Nur durch eine umfassende Anamnese kann ein genaues Krankheitsbild erstellt und das individuell passende Arzneimittel gefunden werden. Abgesehen von der Anamnese stellen klinische Untersuchungen und - falls nötig, weiterführende, diagnostische Maßnahmen - folglich eine eindeutige Diagnosestellung, also die Grundlage jeder klassisch homöopathischen Behandlung, dar.

 
 

„Ich kann nicht ohne Homöopathie sein.
Tatsächlich gehe ich nirgendwo ohne meine homöopathischen Arzneien hin.

Paul McCartney
 

Die Akuttherapie

Die Behandlung einer akuten Erkrankung - wie beispielsweise einem grippalen Infekt oder unkomplizierten Bauchbeschwerden - ist einfacher als die von chronischen Erkrankungen. Trotzdem ist auch hier eine genaue Anamnese wichtig, um das richtige Arzneimittel zu finden. Ist das dem Krankheitsbild ähnlichste Arzneimittel gefunden, kommt es meist zu einer schnellen Linderung und Heilung der akuten Beschwerden. Die Häufigkeit der Einnahme ist von der Intensität der Erkrankung und der Potenz der Arznei abhängig.

Gute Erfahrungen gibt es bei vielen unterschiedlichen Erkrankungen. Dazu zählen Infektionen der oberen Atemwege, Harnwegsinfektionen, Hauterkrankungen oder Beschwerden des Bewegungsapparates sowie Bauchbeschwerden. Aber auch etliche, akute Beschwerden, die eigentlich dem chronischen Krankheitsgeschehen zuzuordnen sind, können homöopathisch gut behandelt werden. So zum Beispiel akute allergische Reaktionen wie etwa Heuschnupfensymptome.

Oftmals verbirgt sich hinter akuten Beschwerden auch eine chronische Erkrankung. Die Frage nach dem Auslöser der Beschwerden ist bei akuten und chronischen Erkrankungen immer sehr wichtig. Diese können zum Beispiel Veränderungen des Wetters oder Stress sein. Auch Kummer kann akute und letztendlich auch chronische Beschwerden auslösen. Bei Tieren ist es genauso. Auch bei ihnen kann ein Auslöser ein akutes sowie in Folge chronisches Krankheitsgeschehen verursachen. Das Auffinden des Auslösers kann der Schlüssel in der Arzneiwahl sein.

 

"Als Musiker kann ich nicht anders, als an die Homöopathie zu glauben, da der Geigenspieler weiß,
wie sein gesamter Ausdruck von der winzigsten, subtilsten, unendlich kleinen und feinen Tonveränderung abhängt."

Yehudi Menuhin
 

Die Langzeitherapie

Eine Langzeittherapie kommt vor allem bei chronischen Erkrankungen zum Einsatz. Eine genaue Anamnese ist hier von besonderer Wichtigkeit. Nur, wenn der Arzt/Tierarzt ein klares, detailliertes Bild des Patienten hat, kann er die richtige Arznei finden. Das homöopathische Einzelmittel muss dem Krankheitsbild des Menschen/Tieres möglichst ähnlich sein (Ähnlichkeitsprinzip). Die Häufigkeit der Einnahme ist ebenfalls vom individuellen Krankheitsgeschehen abhängig.

Nach einem individuell vom Patienten abhängigen Zeitabstand zur Ersttherapie, meist 2 bis 4 Wochen, wird die Wirkung in einer Folgeordination überprüft. Hier werden alle Veränderungen erfragt und die nächsten Schritte festgelegt. Dabei wird besondere Aufmerksamkeit auf neue Symptome, schon vorher im Leben aufgetretene Krankheitserscheinungen oder auf die anfängliche Verstärkung der Beschwerden gerichtet Der Heilungsverlauf ist bei chronischen Erkrankungen meist langsamer als bei akuten Erkrankungen. Dabei kann mit einer homöopathischen Behandlung eine Heilung oder zumindest eine weitgehende Linderung erreicht werden. Gute Erfahrungen gibt es beispielsweise bei rheumatischen Beschwerden, Stoffwechselerkrankungen und hormonellen Störungen. Aber auch bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder bei Allergien erzielt die Homöopathie sehr gute Erfolge.

 

„Homöopathie ist die modernste und durchdachteste Methode,
um Kranke ökonomisch und gewaltlos zu behandeln.“

Mahatma Gandhi
 

Die Selbstmedikation

Die Gabe zur Selbstbeobachtung ist hier wesentlich, um das richtige homöopathische Einzelmittel zu finden. Doch was sind die Hauptsymptome der Erkrankung und die Leitsymptome der Arznei? Wann verbessern sich meine Beschwerden, wann verschlimmern sie sich? Das sind die Fragen, die man sich selbst beantworten muss. Je nach Symptomen kommen unterschiedliche Arzneimittel in Frage. Oft gibt es bei den Leitsymptomen mehrerer Einzelmittel nur geringe Unterschiede. Das macht die Entscheidung für ein Arzneimittel in der Selbstmedikation schwierig. In diesem Fall ist ein homöopathisches Komplexmittel möglicherweise die bessere Wahl. Es beinhaltet eine Kombination bewährter homöopathischer Einzelmittel und wird nach Indikationen angewendet. Prinzipiell gilt auch bei kleineren Beschwerden: Tritt nicht binnen weniger Stunden oder wenigen Tagen eine Besserung ein oder verschlechtern sich die Symptome, muss ein Arzt konsultiert werden!

Der Selbstmedikation sind aber auch Grenzen gesetzt. Hochpotenzierte Einzelmittel (ab D30 bzw. C30) gehören in jedem Fall in die Hände erfahrener Homöopathen. Und auch bei schweren oder chronischen Erkrankungen muss unbedingt ein Arzt/Tierarzt hinzugezogen werden.